Samuel
, 49

Selbständiger Unternehmer, Abtwil (AG)

Ich bin Vater von zwei Teenagerkindern und Inhaber von zwei Unternehmen in den Bereichen Informatik, Innovation und Kultur. Meine Kinder, Lea und Simon, sind beide in Ausbildung. Mit meiner Frau Klara bin ich schon seit vielen Jahren zusammen; wir arbeiten beide gleich viel und teilen uns die Erziehung und den Haushalt gleichmässig auf.

Früher bin ich viel gereist. Mich haben schon immer andere Menschen und Kulturen fasziniert. In den letzten Jahren habe ich realisiert, dass ich nicht immer irgendwo hinfahren muss. Dank Substanzen mache ich für mich inzwischen eine andere Art von Reise. Ich erfahre ein anderes Bewusstsein und eine erweiterte Wahrnehmung. Das gibt mir das Gefühl, für eine Weile auszusteigen und mich neu zu sortieren. Das finde ich super!

Ich bin auf dem Land aufgewachsen und lebe auch heute noch in der Nähe, wo ich aufgewachsen bin. Ich vertrage Alkohol schlecht, daher habe ich hier nie richtig meinen Ausgang gefunden und ging selten an Feste. Mit 14 begann ich Hasch zu rauchen, mit 18 nahm ich das erste Mal Ecstasy. Das befreite mich aus meiner Isolation und ich konnte nächtelang durchtanzen. Ich fand das uhuere geil! Seitdem habe ich nie mehr damit aufgehört – ich konsumiere inzwischen seit 30 Jahren.

Ecstasy war in den Neunzigerjahren überall – selbst hier auf dem Land. An meinen ersten Trip erinnere ich mich nicht mehr so genau. Irgendwo in der Nähe war eine Techno-Party in einem alten Fabrikgebäude. Erst lief Punk-Musik und später Hardcore-Techno aus Rotterdam. Am nächsten Morgen dachte ich nur: Das war eine Nacht in völliger Trance. Danach zog es uns immer öfter in die Clubs nach Zürich.

Substanzen haben mich schon immer angesprochen. Als in der Schule unser Primarlehrer eine Tafel mit Drogen und deren Gefahren zeigte, machte mich das erst richtig neugierig. Danach nahm er uns mit an einen Schulausflug auf den Platzspitz. Das war gleichzeitig abschreckend und faszinierend. Die Menschen dort setzten sich einen Schuss und tauchten in eine andere Welt ein. Und dafür nahmen sie dieses ganze Elend in Kauf!

Damals wie heute konsumiert fast mein ganzer Freundeskreis; der Konsum ist völlig normal. Es gab eine Zeit, in der ich ziemlich überheblich wurde und nicht mehr in den «normalen» Ausgang konnte. Die Feste und Discos mit alltäglicher Musik waren für mich kaum erträglich. Es dauerte Jahre, bis ich wieder Zugang dazu fand. In unseren frühen Zwanzigern konsumierten wir viel und waren oft unterwegs, aber es entgleiste nie – wir blieben stabil und gingen immer arbeiten. Mit der Zeit traten die Partys mehr und mehr in den Hintergrund; wir gingen stattdessen auf MDMA spazieren oder sassen herum und quatschten stundenlang. Später experimentierten wir im Wald oder am Fluss unten mit Psilos.

Seit ich 25 bin, konsumiere ich etwa drei- bis sechsmal im Jahr. Das hat sich seit der Geburt der Kinder so eingependelt. Es gibt ein paar Fixpunkte im Jahr: Ausgewählte Partys bei Freunden und die Reisen mit meinem Männerverein. Wir verreisen regelmässig in europäische Städte und nehmen dort Ecstasy. Ach, was hatten wir schon für tolle Erlebnisse! Manchmal gehen wir aber auch einfach in eine Dorfbeiz hier in der Schweiz, nehmen eine Pille und diskutieren stundenlang bei Kaffee und Kuchen.

Vor LSD hatte ich lange Respekt. Vor etwa fünf Jahren begann ich mich einzulesen und tauschte mich mit Freunden aus. Mit LSD hat sich noch einmal eine neue Welt aufgetan. Auf MDMA ist alles voller Liebe, rosarot und einfach nur schön. LSD ist viel kompletter – es ist wie das Leben selbst: Schöne und schwierige Gefühle können nebeneinander vorkommen. Dadurch kann ich von LSD viel mehr profitieren als von MDMA.

Ein Erlebnis hat mich besonders geprägt: Während eines LSD-Trips war ich im Garten, als mein Sohn anrief. Er war mit Freunden mit dem Töffli unterwegs und sie steckten irgendwo fest. Eigentlich war alles okay, aber ich bekam Angst und hatte das starke Verlangen, ihnen helfen zu müssen. Die Angst wurde zu Panik und so lief ich zu meinem Bekannten und schilderte ihm meine Situation. Hans beruhigte mich und meinte, mein Sohn könne die Situation schon regeln. Drei Stunden später rief mein Sohn wieder an: Sie hatten es geschafft  – sie waren am Zielort angekommen. In diesem Moment wurde mir klar, wie wenig Kontrolle ich eigentlich habe – und wie viel Vertrauen ich meinem Sohn entgegenbringen kann. Seither kann ich viel besser auf Kontrolle verzichten und stattdessen vertrauen.

Ich hatte schon immer eine starke Verbundenheit zur Natur. Als Teil meiner Zen-Praxis bewege ich mich manchmal langsam mit geschlossenen Augen durch den Wald. Zudem benutze ich Übungen aus dem Kartenset von Marina Abramović, die sie jeweils als Vorbereitung für ihre Performances nutzt. Auch beim Wandern oder Velofahren komme ich nach etwa vier Stunden in einen anderen Zustand – eine Art glückselige Entspanntheit im Moment, ähnlich wie mit MDMA. Dieses Umschalten hat mich schon immer interessiert; bewusstseinsverändernde Zustände kann ich auf unterschiedliche Arten erreichen, nicht nur durch Substanzen.

Mit meinen Kindern habe ich ein paar Grundsätze abgemacht: Sie sollen im Ausgang aufeinander aufpassen, wenn möglich zusammenbleiben und vorsichtig sein, was sie zu sich nehmen und in welchen Mengen. Diese Regeln stammen aus meinen persönlichen Erfahrungen. Wir sprechen darüber, welche Wirkungen und Risiken Drogen haben. Sie wissen jedoch nicht, dass ich selber konsumiere – dafür ist es noch zu früh. Mein Sohn ist 16 und mitten in der Selbstfindung; jetzt wäre nicht der richtige Zeitpunkt, ihm zu sagen, dass sein Vater Drogen nimmt. Ich weiss von meiner Tochter, dass sie schon gekifft hat. Über ihr Erlebnis haben wir auch schon beim Znacht gesprochen. Ich hoffe, es kommt irgendwann der Moment, an dem ich offen über meine Leidenschaft sprechen kann.

Den Konsum mit meinen Freunden haben wir gut im Griff. Natürlich gibt es manchmal Eskapaden, aber es eskaliert nie. Ich kenne niemanden mit problematischem Psychedelikakonsum – aber sehr wohl Menschen mit Alkoholproblemen. Wenn ich die Stimmung an alkoholreichen Festen mit einem Rave in Zürich vergleiche, ist der Rave absolut harmlos. Dass ich für mein Verhalten kriminalisiert werde, finde ich völlig daneben.

Ich habe nicht die Absicht, jemals mit dem Konsum aufzuhören. Es gibt keinen Grund dafür. Wenn ich im hohen Alter noch Psychedelika nehmen und meinen Geist ab und zu befreien kann, ist das für mich eine sehr schöne Vorstellung vom Altwerden.

Text: Levin
Bild: KI-generiert von Levin

Marta

Dübendorf (ZH)

34j

Anwältin

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40j

Körper­therapeutin

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46j

Genesungs­begleiter

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Naturwissenschaftler und Lehrerin

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Jurist in der Strafverfolgung

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Lebenskünstler

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Assistenzärztin in einem Spital

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Kaufmännische Angestellte

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Kommunikations­chef einer NGO

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Aktivierungs­fach­­frau im Pflegeheim

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Olten

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Osteopath

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Kindergarten- und Yogalehrerin

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Grafiker

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Führungsperson bei einem Unternehmen

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Margrit

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Pensionierte Pflegefachfrau

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Buschauffeur

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Biel (BE)

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Student Holztechnik

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Fribourg

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Grafikerin

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Paul

Rumendingen (BE)

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Unternehmer

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Chiara

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Primarlehrerin

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Tobias

Basel

38j

Rechtsanwalt und Wissenschaftler

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Eine Veranstaltungsreihe von substanzielles.ch, der Photobastei und der Gesellschaft zur Erweiterung des Bewusstseins. Jeden letzten Mittwoch im Monat in Zürich.

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